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Stolpersteine
Aus Krefeld Wiki
Die Stolpersteine in Krefeld sind Teil eines europaweiten Projekts des Künstlers Gunter Demnig. Dabei handelt es sich um Mahnmale, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die in Krefeld gewohnt und von den Nationalsozialisten deportiert und unter anderem in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern ermordet wurden.
Die grundsätzliche Idee, Stolpersteine zu legen, hatte er 1993, drei Jahre später wurden die ersten Exemplare noch ohne Genehmigung der Behörden in Berlin und Köln verlegt. Nach einer Unterbrechung der Aktivitäten, bei der rechtliche Fragen geklärt werden mussten, wurde das Projekt ab dem Jahr 2000 in anderen Städten diesmal mit Genehmigung der Behörden fortgesetzt.
In Krefeld selber begann die Verlegung im Dezember 2006. Dem voraus ging ein zähes Ringen auf kommunaler Ebene. Unter anderem äußerte die Jüdische Gemeinde Krefeld Bedenken gegenüber dem Projekt, da sie die Würde der Opfer als gefährdet ansah, weil man „auf ihnen herumtrampeln“ würde. Nachdem sich der Stadtrat Anfang November 2005 ebenfalls gegen die Aktion Stolpersteine ausgesprochen hat, starteten die Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule eine Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren. Ein großes Echo der regionalen und auch überregionalen Presse war die Folge. 14.000 Unterschriften für das Bürgerbegehren konnten die Schüler sammeln. Noch vor dem Start des eigentlichen Bürgerbegehrens einigten sich die Vertreter auf einen Kompromiss, so dass das Projekt starten konnte.[1]
Liste von Stolpersteinen in Krefeld
Die folgende Liste führt die in Krefeld verlegten Steine auf. Alle aufgeführten Objekte wurden von Günter Demnig entworfen und ausgeführt. Das verwendete Material besteht aus Messing. Daraus wurde eine Platte mit Inschrift hergestellt, die in den Bürgersteig eingelassen wurde.
Friedrich Lewerentz
| Friedrich Lewerentz | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE FRIEDRICH LEWERENTZ JG 1875 VERHAFTET 22.8.1944 GESTAPOHAFT KZ SACHSENHAUSEN 1944 TODESMARSCH TOT 1945 | |
| Standort | Hammerschmidtplatz 1 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | SPD Krefeld | |
| Finanzierung | Spenden | |
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 18. Dezember 2006 | |
| Anmerkungen | Der Sozialdemokrat Friedrich Lewerentz war bis 1933 Mitglied im Krefelder Stadtrat, er wurde von den Nationalsozialisten 1944 verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. 1945 stirbt Lewerentz auf einem der Todesmärsche nach Bergen-Belsen. | |
Else Müller
| Else Müller | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE ELSE MÜLLER GEB COPPEL JG 1894 DEPORTIERT 1944 THERESIENSTADT BEFREIT TOT 1.6.1945 | |
| Standort | Roßstraße 249 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule | |
| Finanzierung | Spenden | |
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 18. Dezember 2006 | |
| Anmerkungen | Else Müller war Jüdin und mit Fritz Kassel, der dem christlichen Glauben angehörte, verheiratet. Im September 1944 wurde Else Müller mit dem letzten Transport aus Krefeld gemeinsam mit ihrer Tochter Ilse in ein Arbeitslager der Organisation Todt, einer nationalsozialistischen Bauorganisation für Militärbauten, verschleppt. Anfang 1945 wurde sie in das KZ Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung durch die russische Armee im Mai 1945 kümmerte sich Else Müller um die Lagerinsassen die an Typhus erkrankt waren. Sie steckte sich mit dieser Krankheit an und starb kurze Zeit später.[2] | |
Paula Billstein
| Paula Billstein | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE PAULA BILLSTEIN GEB: ROTHE JG. 1877 VERHAFTET 1937 KZ MORINGEN KZ LICHTENBURG TOT 4.7.1938 | |
| Standort | „Trampelpfad“ an der ehemaligen Fabrik „Im Brahm“, Ritterstraße 189 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | Die Grünen, Krefeld | |
| Finanzierung | Die Grünen | |
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 18. Dezember 2006 | |
| Anmerkungen | Paula Billstein war von 1924 bis 1933 Stadtverordnete und die Mutter von Aurel Billstein. Sie wurde in den Frauenkonzentrationslagern Moringen und Lichtenburg festgehalten und starb wenige Tage nach ihrer Entlassung im Jahr 1938. | |
Eugen Frank und Luise Frank
| Eugen Frank und Luise Frank | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE EUGEN FRANK JG. 1884 DEPORTIERT 1942 IZBICA ??? HIER WOHNTE LUISE FRANK GEB. WALLERSTEIN JG. 1882 DEPORTIERT 1942 IZBICA ??? | |
| Standort | Alte Friedrichstrasse 11, heute Friedrichstraße / Ecke St.-Anton-Straße | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Eugen Frank wurde am 29.3.1884 in Wittlich geboren. Er war mit Luise Wallerstein verheiratet und hatte zwei Kinder (Helmut und Suse). Er lebte mit Familie in Krefeld als Kaufmann und war Vorstandsmitglied der jüdischen Kultusvereinigung. Dort oblag ihm 1940 die Betreuung der Kleiderkammer, der auch andere Orte angeschlossen waren. Deportiert wurden er und seine Frau am 22.4.1942 nach Izbica.[3] | |
Artur Daniels, Hannelore Daniels, Kurt Daniels und Martha Daniels
| Artur Daniels, Hannelore Daniels, Kurt Daniels und Martha Daniels | ||
|---|---|---|
| Inschriften | HIER WOHNTE ARTUR DANIELS JG. 1881 DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET 5.1.1942 HIER WOHNTE MARTHA DANIELS GEB. SERVOS JG. 1887 DEPORTIERT 1941 RIGA ??? HIER WOHNTE KURT DANIELS JG. 1914, FLUCHT 1939 ENGLAND ÜBERLEBT HIER WOHNTE HANNELORE DANIELS JAHRGANG 1921 DEPORTIERT 1941 RIGA ÜBERLEBT | |
| Standort | Issumer Straße 7 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Artur Daniels wurde am 11. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Er war mit Marta Servos verheiratet und hatte zwei Kinder (Kurt und Hannelore). Die Familie lebte in Krefeld-Linn als Kaufmann und Viehhändler. Nach einer „Schutzhaft“ im Jahr 1938 erfolgte die Vermögensbeschlagnahme und die anschließende Deportation. Aktenkundig ist weiter, dass „In der Nacht vom 27./28.11.1941 sich eine Frau Platen im Luftschutzkeller geäußert habe: Es ist eine Schande, daß der arme Jude Daniels jetzt Linn verlassen muß. Zum Beispiel hat Daniels 10 Kühe, die werden jetzt verkauft und das Geld stecken die da oben in die Tasche.“ Frau Platen geriet daraufhin ebenfalls in Schwierigkeiten.[4] | |
Hans Daniel, Jakob Daniel und Luise Daniel
| Hans Daniel, Jakob Daniel und Luise Daniel | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE JAKOB DANIEL JG. 1885 DEPORTIERT 1941 RIGA ??? HIER WOHNTE LUISE DANIEL JG. 1891 DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET 10.1.1945 KZ STUTTHOF HIER WOHNTE HANS DANIEL JG. 1922 DEPORTIERT 1941 RIGA ??? | |
| Standort | Lindenstraße 9, Krefeld | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Jakob Daniel wurde am 11. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Er war mit Luise Selig verheiratet und hatte zwei Kinder (Lore und Hans). Die Familie lebte in Krefeld als Kaufmann und betrieb eine Gewürzhandlung. Jakob Daniel wurden 1936 Devisenvergehen zur Last gelegt, es folgte 1938 Passentzug und „Schutzhaft“. Das Vermögen wurde 1941 mit der Deportation beschlagnahmt. [5] | |
Karl Henning
| Karl Henning | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE KARL HENNING JG. 1909 VERHAFTET 1937 KZ BUCHENWALD ERMORDET 27.1.1938 | |
| Standort | Oberbruch 49 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | Zeugen Jehovas | |
| Finanzierung | Zeugen Jehovas | |
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Karl Henning verlor schon als Kind seine Mutter. Sein Vater heiratete ein zweites Mal. Die neue Frau, Maria Henning, bekam noch ein eigenes Kind und die beiden wuchsen als Brüder auf. Nach der Schule machte Karl Henning eine Lehre als Schlosser bei den Büttner-Werken, bis er wegen Arbeitsmangel entlassen wurde. Er war längere Zeit arbeitslos und auf wechselnde Jobs angewiesen. 1932/1933 begannen er und sein Mutter sich für die Zeugen Jehovas zu interessieren. Sie intensivierten einen Kontakt auf und bald betrachteten sie sich als ihnen zugehörig. Das fiel nun unglücklicherweise in die Zeit, als die Zeugen Jehovas verboten wurden.
Im Juli 1935 ging Karl Henning auf der Dießemer Straße von Haus zu Haus und erzählte von der Bibel und den Zeugen Jehovas. Dabei wurde er - eventuell auf Grund einer Denunziation - von der Polizei gestellt und durchsucht. Da man nur einen handgeschriebenen Werbezettel bei ihm fand, blieb es anscheinend bei einer Verwarnung. Ein Jahr später - im Juni 1936 - wurde Karl Henning allerdings wegen der Teilnahme an Zusammenkünften der Zeugen Jehovas festgenommen und am 24. August 1936 in einer Verhandlung vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichtes in Krefeld zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Am 13. Dezember 1936 wurde Karl Henning aus der Haft entlassen. Am 20. Juni 1937 beteiligte sich Karl Henning an der Verteilung eines „Offenen Briefes“ der Zeugen Jehovas. Er wurde erneut festgenommen. Aus dem Bericht der Gestapo nach der Aktion: „Trotz der erhaltenen Strafe hat Henning sich nicht zurückgezogen, sondern hat wieder mit seinen Glaubensbrüdern den Verkehr aufgenommen. Man kann bei H. sagen, dass er nach der Verurteilung noch fanatischer geworden ist, als vorher. […] Henning ist ein unverbesserlicher und fanatischer Anhänger und Förderer der illegalen I.B.V. Obschon er schon wegen einer solchen Sache vorbestraft und vorher schon verschiedentlich verwarnt und schon aus der Arbeit entlassen worden ist, betätigt er sich nach wie vor.“ Der neue Prozess fand am 26. August 1937 vor dem Sondergericht in Düsseldorf fand statt. Diesmal wurde er zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach dem Ende der Strafe im September 1938 wurde er zunächst in das Polizeigefängnis Krefeld überführt. Einem Vernehmungsbeamten erklärte Karl Henning: „Wenn ich jetzt aus der Haft entlassen würde, glaube ich weiterhin an die Bibel, jedoch würde ich nichts unternehmen, was irgendwie zum Schaden eines Mitmenschen sein könnte. Wenn ich nun nach meiner Entlassung Soldat werden würde, so würde ich der Pflicht genügen, würde jedoch nicht im Kriegsfall zur Waffe greifen, weil es in der Bibel steht: „Mein ist die Rache.“ Ich will vergelten, oder meinen nächsten lieben wie dich [mich?] selbst.“ Anlässlich der Entlassung von Karl Henning aus der Vollzugsanstalt Wuppertal-Elberfeld schickte der Anstaltsleiter am 10. August 1938 eine negative Stellungnahme an die Gestapo Düsseldorf. Dies war ein Routinevorgang: „Henning hat sich hier hausordnungsmäßig geführt und zufriedenstellend gearbeitet. Der Gesamteindruck seiner Persönlichkeit ist nicht besonders günstig. Künftiges Wohlverhalten kann nicht mit Sicherheit angenommen werden.“ Dieses Zeugnis wurde von Düsseldorf nach Krefeld geschickt. Krefeld beantragte am 20. September 1938 die Schutzhaft. Der Gefängnisarzt in Wuppertal hatte auf Wunsch bereits die Haft- und Lagerfähigkeit bescheinigt, obwohl Karl Henning an einem Herzklappenfehler litt. Deswegen war er „Nicht geeignet für schwere Arbeiten.“ Ein Gestapo-Sachbearbeiter in Düsseldorf beantragte die Inschutzhaftnahme von Karl Henning beim Gestapa in Berlin. In dem Begleitschreiben an die „Kommandantur des staatlichen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar“ vom 8. November 1938 wurde die dortige Verwaltung von der Krefelder Gestapo auf den Neuzugang mit der Auflistung seiner bisherigen Strafen eingestimmt. Als Prognose führten die Beamten aus: „Da bei ihm nach seiner Entlassung wieder mit den gleichen Straftaten zu rechnen ist, erscheint eine längere Unterbringung im Lager eine Notwendigkeit, die vielleicht geeignet ist, ihn von seinen staatsfeindlichen Ideen zu heilen“. Lagerkommandant Koch schickte am 27. Dezember 1938, also nur sieben Wochen später, ein Telegramm folgenden Wortlautes an die Gestapo in Düsseldorf: „H. ist am 27.12.38 um P 0.05 Uhr an Lungenoedem verstorben. Falls innerhalb 24 Stunden nicht ein Antrag auf Überführung der Leiche hier eingeht, wird die Leiche in Weimar eingeäschert. Auf einen an die Friedhofsverwaltung in Weimar zu richtenden Antrag können die Angehörigen die Asche an die Verwaltung des Heimatfriedhofes übersenden lassen. Die Sterbeurkunde ist beim Standesamt in Weimar zu beantragen.“ Frau Henning wurde von dem Krefelder Gestapo-Beamten Schommer noch am gleichen Tag vom Tod ihres Stiefsohnes benachrichtigt. Sie verzichtete auf die Überführung der Asche. [6] | |
Willi Jans
| Willi Jans | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE WILLI JANS JG. 1919 VERHAFTET 1941 KZ DACHAU ERMORDET 26.10.1943 | |
| Standort | Prinz-Ferdinand-Straße 5 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Der Lebensweg von Willi Jans ist ohne den Familienhintergrund kaum zu verstehen. Willi Jans, geboren am 12. November 1919, war der Sohn der gelernten Textilarbeiterin Magdalena "Lenchen" Jans geb. Roß und des Fabrikarbeiters Peter Jans. Willi hatte einen älteren Bruder Joseph. Die Eltern waren beide überzeugte Anhänger der KPD. Als der Vater 1928 seinen Arbeitsplatz verlor, eröffnete er einen kleinen Obst- und Gemüseladen. 1933 musste sich Peter Jans zeitweise verstecken, weil eine sogenannte Inschutzhaftnahme zu befürchten war. Natürlich war das nicht gut für das Geschäft und 1935 musste der Laden endgültig aufgegeben werden. Willi war inzwischen aus der Schule gekommen und hatte begonnen, als Textilarbeiter Geld zu verdienen.
Als in Spanien der Bürgerkrieg begann, meldete sich Peter Jans als Kämpfer für die Sache der Republik in einer Internationalen Brigade. Die Lage Magdalena Jans in Deutschland wurde dadurch noch schwieriger. Man drohte ihr den noch nicht volljährigen Willi in Fürsorgeerziehung zu stecken. Magdalena Jans floh 1937 mit ihren beiden Söhnen über Brüssel nach Paris und Spanien. Damit sich Willi Jans den Internationalen Brigaden anschließen konnte, fälschte er seine Papiere, denn als unter 18-jährigen hätte man ihn nicht akzeptiert. Willi Jans erhielt eine militärische Ausbildung und nahm an mehreren Schlachten (u. a. am Ebro) teil. Der Familie Jans wurde derweil die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Nach dem die Faschisten auch in Spanien siegten, mussten die Mitglieder der Internationalen Brigaden das Land verlassen. Die Familie Jans wurde auf verschiedene Internierungslager und Arbeitskommandos in Frankreich (Argelès, Gurs, Bellac) verteilt. Während sich die anderen Familienmitglieder in Frankreich halten konnten und sich dort dem Widerstand zugehörig fühlen, kehrte Willi Jans nach Deutschland zurück, um bei seiner Großmutter zu leben. Da jedoch alle "Rotspanienkämpfer" routinemäßig verhaftet wurden, erlitt Willi Jans nun auch noch dieses Schicksal. Die Gestapo ließ ihn 1941 in ein Konzentrationslager einweisen "zumindest für die Dauer des Krieges". Willi Jans starb am 26. Oktober 1943 im KZ Dachau. Er wurde gerade 23 Jahre alt. Magdalena Jans kehrte übrigens aus Spanien zurück. 1968 trat sie in die DKP ein. 1998 starb die immer noch überzeugte Kommunistin in Venlo. Sie war fast 100 Jahre alt geworden. [7] | |
Ilse Alexander, Olga Alexander und Ruth Alexander
| Ilse Alexander, Olga Alexander und Ruth Alexander | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE RUTH ALEXANDER JG. 1925 DEPORTIERT 1942 IZBICA ??? HIER WOHNTE OLGA ALEXANDER GEB. SIMON JG. 1897 DEPORTIERT 1942 IZBICA ??? HIER WOHNTE ILSE ALEXANDER JG. 1927 DEPORTIERT 1942 IZBICA ??? | |
| Standort | Rheinbabenstraße 106 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Olga Alexander wurde am 22. April 1942 gemeinsam mit ihren Töchtern Ilse und Ruth nach Izbica deportiert. Sie war verheiratet mit Alex Alexander, einem Viehändler der am 16. Januar 1941 in Krefeld verstarb. Bereits in der Nacht vom 10./11. November 1938 drangen 8 Personen in die Wohnung der Familie Alexander in Krefeld Linn ein und stahlen Geld und eine Armbanduhr. A. Alexander wurde vom 10. bis 23. November 1938 in „Schutzhaft“ genommen. [8] | |
Paul Prison
| Paul Prison | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE PAUL PRISON JG. 1912 VERHAFTET 1938 KZ GROSS ROSEN ERMORDET 1.4.1942 | |
| Standort: | Ritterstraße 221 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Paul Prison wurde 1912 in Süchteln geboren und katholisch getauft. Die Familie scheint nicht sesshaft gewesen zu sein. Paul Prison besuchte jedenfalls keine Schule. Er blieb Analphabet und arbeitete als Korbflechter. Ein Foto von Paul Prison konnte bislang nicht gefunden werden. Er muß aber ein relativ auffälliges Äußeres gehabt haben, denn bei einer Schlägerei hatte er ein Auge eingebüßt. Unter anderem wegen dieser Schlägerei war Paul Prison der Polizei bekannt.
Den nach 1933 an nationalsozialistischen Normen orientierten Behörden ist er spätestens 1936 aufgefallen, wo er vom Gesundheitsamt untersucht wurde. Der Bericht des Arztes fiel ungünstig aus. Dabei spielte auch die Lebensweise der Familie eine Rolle. Als "nach Zigeunerart umherziehend" passte sie nicht in das von den Nationalsozialisten vorgegebenen Bild des deutschen Volkes. Der Grund für unangepasstes Verhalten wurde in vorgeblich rassischer Minderwertigkeit gesehen. Paul Prison wurde in den Krefelder Krankenanstalten nach Maßgabe des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" zwangssterilisiert. Als 1938 die Kriminalpolizei von der Reichsregierung angewiesen wurde, alle im NS-Staat sozial unerwünschten Menschen zu festzusetzen, wurde auch Paul Prison verhaftet. Bis zum März 1941 befand er sich im Konzentrationslager Buchenwald unter der Häftlingskategorie "Asozial". Von Weimar aus wurde Paul Prison in das wenig bekannte Konzentrationslager Groß Rosen überstellt. Dort kam er 1942 ums Leben. Über die näheren Umstände ist nichts bekannt. [9] | |
Hans Kreuels
| Hans Kreuels | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE HANS KREUELS JG. 1930 DEPORTIERT 1943 ERMORDET 3.8.1943 HEILANSTALT AM STEINHOF/WIEN | |
| Standort | Uerdinger Straße 739 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 16. Februar 2007 | |
| Anmerkungen | Hans Kreuels war das jüngste von sieben Geschwistern. Bei seiner Geburt im Jahr 1930 hatte es Komplikationen gegeben. Die Wehen waren zu schwach. Also musste mit einer Geburtszange geholfen werden. Unglücklicherweise wurde das Gehirn des Säuglings dabei verletzt. Der Junge nahm dauerhaften Schaden. Er lernte nie richtig laufen und konnte auch nur wenige Worte sprechen. Nach einer ärztlichen Untersuchung in den städtischen Krankenanstalten im April 1934 beantragte der untersuchende Chefarzt die Aufnahme des Kindes in eine geeignete Anstalt. Im Dezember 1934 wurde Hans K. in die Rheinische Provinzial-Kinderanstalt für seelisch Abnorme in Bonn aufgenommen. Mit dem Vermerk, dass das Kind an Idiotie leide, unruhig sowie unreinlich sei, und weiterer Pflege in einer Schwachsinnigen-Pflegeanstalt bedürfe, kam es im Mai 1935 in das St. Josefshaus in Hardt bei Mönchengladbach. Für die Verwandten war es so etwas einfacher Kontakt zu dem Jungen halten. Regelmäßig holten sie ihn zur Weihnachtszeit nach Hause. Offensichtlich fiel es der Familie trotz der Pflegebedürftigkeit des Jungen schwer, ihn wieder in die Anstalt zu geben. Wiederholt bedurfte es der ausdrücklichen Aufforderung durch die Schwester Oberin, dass der Patient zurückgebracht wurde.
Vielleicht ahnte die Mutter, dass sich ihr Jüngster im St.-Josefshaus nicht in Sicherheit befand. Auch die konfessionell gebundenen Heil- und Pflegeanstalten wurden in der NS-Zeit Teil des im Wortsinne mörderischen Gesundheitssystems. Kuriert wurde nicht mehr der einzelne Kranke, sondern ein imaginärer "Volkskörper". Dessen Gesundheit konnte der Tod von Kranken durchaus dienlich sein, besonders wenn man sie für erblich belastet und unheilbar hielt. Körperlich und geistig Behinderte galten als minderwertig. Schon die Schulkinder lernten, wie teuer die Pflege dieser "Ballastexistenzen" sei und dass man das Geld doch besser für gesunde, arische Familien ausgeben solle. In der Konsequenz gab es immer weniger Geld für Pflege, selbst an Nahrungsmitteln wurde schließlich gespart. In der "Euthanasie-Aktion" zwischen 1940/1941 wurden zehntausende Kranke ermordet. Nach öffentlichen Protesten ging das Regime in späteren Jahren verdeckt zu Werke. Angeblich wegen der Kriegsituation mussten Pflegeanstalten geräumt, die Kranken "in Sicherheit" gebracht werden. Im Rahmen dieser "Aktion Brandt" fanden Transporte über weite Strecken so auch von Mönchengladbach nach Wien statt. Die damalige Kinderklinik "Am Spiegelgrund" in Wien, damals Teil Nazi-Deutschlands, wurde ein Ort des Verbrechens. Seit 1940 war die Klinik zuständig für die "Betreuung" behinderter Jugendlicher vorwiegend aus dem annektierten Österreich. 1943 wurden auch kranke Kinder aus Hamburg, Bad Kreuznach und Mönchengladbach nach Wien gebracht. Die Gruppe von 144 kleinen Patienten aus Mönchengladbach, die nach einer zweitägigen Fahrt am 20. Mai 1943 eintraf, stammte aus der Heil- und Pflegeanstalt Josefhaus. Dass es den Kindern auch in Mönchengladbach nicht besonders gut gegangen war, lässt sich aus einem Bericht des Wiener Stadtrates für das Gesundheitswesen Prof. Max Gundel an das Reichministerium des Inneren schließen. Danach trafen die Kinder bereits in stark verwahrlostem Zustand in Wien ein. Offensichtlich waren sie völlig verdreckt und das nicht nur wegen der langen Reise. Zunächst wurde der Krefelder Hans K. in die Wagner von Jaureggsche Heil- und Pflegeanstalt, Pavillon 22 bzw. 18, eingewiesen. Hans K‘s zweite Adresse in Wien war ab dem 16. Juli 1943 die Wiener städtische Nervenklinik für Kinder, Pavillon 15, auf demselben Gelände. Dieser Pavillon war eigentlich die Säuglingsabteilung, faktisch war es aber die Sektion, in der die Euthanasiemorde an Kindern und "debilen, bildungsunfähigen Jugendlichen" vorgenommen wurden. 12 Tage nach der Überstellung von Hans K. schickten die Ärzte ein negatives Gutachten über ihren Schützling an den "Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden" in Berlin. Der kommissarische Anstaltsleiter Dr. Ernst Illing attestierte, dass eine Besserung der körperlichen und geistigen Leiden "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen" wären. Dieses Attest war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Todesurteil für den Patienten. Die weitere "Betreuung" wurde von Dr. Marianne Türk übernommen. Ob die Ärztin bereits ohne Reaktion des Reichsausschusses - diese trafen in der Regel sechs bis acht Wochen nach dem Posteingang in Berlin ein - daran ging, Hans K. langsam mit Luminal zu vergiften, ist nicht nachzuweisen. Tatsache ist, dass sich der Zustand des Patienten rapide verschlechterte, seit dem er in ihrer Obhut war. Am 3. August 1943 teilte Dr. Türk der Familie mit, dass der Zustand ihres Sohnes sich besorgniserregend verschlechtert hatte. Dies entsprach dem üblichen Verfahren. Am Abend des gleichen Tages, um 18 Uhr, starb Hans K. Die Untersuchung der Leiche ergab, dass der Junge bei einer Körpergröße von 132 cm ganze 20 Kilogramm wog. Als Zusammenfassung des Befundes wurden "stomatitis ichorosa" auf deutsch schrieb die Ärztin Dr. Uiberrak "jauchige Mundschschleimhautentzündung" - und "marasmus universalis" "allgemeine Mangelernährung" - angegeben. Auch eine eitrige Bronchitis und Veränderungen an der Magenschleimhaut wiesen darauf hin, dass man Hans K. zumindest nicht ausreichend versorgt hatte. Das Hirn wurde entnommen (Gewicht 1170 gr.) und in einer Lösung mit 4 % Formaldehyd eingelegt. Die Mutter von Hans K., Maria K., forderte von der Klinik eine Erklärung, an welcher Krankheit denn das Kind so schnell gestorben wäre. Das Misstrauen dürfte dadurch verstärkt worden sein, dass man Maria K. noch Ende Juni mitgeteilt hatte, dass sich der Junge in die neue Umgebung gut eingelebt habe. Man teilte ihr mit:" ... das Essen mundet ihm anscheinend sehr". Die Ärztin verwies auf die Grunderkrankung, eine zusätzliche Bronchitis und eine schwere Entzündung der Mundschleimhaut. Die Stellungnahme von Frau Dr. Türk offenbart ihre persönliche Überzeugung: "Für das Kind konnte der Tod nur eine Erlösung bedeuten, da das Leiden unheilbar war." So war die Krankheit nur durch den Tod des Patienten zu kurieren. Das präparierte Gehirn von Hans K. wurde wiederholt für medizinische Untersuchungen in Anspruch genommen. Erst spät entwickelte sich das Bewusstsein, dass die Nutzung der Hirne von Opfern des NS-Krankenmordes nicht mehr dem aktuellen Verständnis medizinischer Ethik entspricht. Eine symbolreiche Bestattung der Präparate fand am 28. April 2002 auf dem Wiener Zentralfriedhof statt. [10] | |
Johanna Hirsch und Max Hirsch
| Johanna und Max Hirsch | ||
|---|---|---|
| Inschrift | HIER WOHNTE MAX HIRSCH JG. 19?? DEPORTIERT 19?? ???? ??? HIER WOHNTE JOHANNA HIRSCH GEB. ??? JG. ???? DEPORTIERT ???? ???? ??? | |
| Standort | Hochstraße 62 | |
| Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber | ||
| Finanzierung | ||
| Enthüllungs-/ Einweihungsdatum | 4. Dezember 2008 | |
| Anmerkungen |
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Referenzen
- ↑ Artikel der Westdeutschen Zeitung „Stolpersteine: Kompromiss gefunden“
- ↑ Schülerzeitung der Kurt Tucholsky-Gesamtschule Krefeld
- ↑ Krefelder Juden. Krefelder Studien 2, 1981, Seite 290
- ↑ Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, Krefeld 1988, Seite 98 und Krefelder Juden. Krefelder Studien 2, 1981, S. 281.
- ↑ Krefelder Juden. Krefelder Studien 2, 1981, S. 281.
- ↑ NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, Dr. Ingrid Schupetta
- ↑ NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, Dr. Ingrid Schupetta
- ↑ Krefelder Juden. Krefelder Studien 2, 1981, S. 262 und 386.
- ↑ NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, Dr. Ingrid Schupetta
- ↑ NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, Dr. Ingrid Schupetta
Weblinks
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